Thema: Nachhaltigkeit

Aktualisiert: 15. Nov. 2021


Thema Nachhaltigkeit. Ich hatte bei instagram eine kleine Umfrage gestartet, welche Themen im Bezug auf Keramik euch interessieren. Das Thema Nachhaltigkeit ist dabei Eines, dass wir nicht ignorieren können. Deshalb versuche ich heute mal, ein bisschen was aus dem Kopf zusammen zu schreiben, was mir in einem Jahr Keramik selbst aufgefallen ist.

Um Ergänzungen bin ich dankbar, schreibt mir gerne!


Dieses Thema gliedert sich in zwei Punkte:

1. Nachhaltigkeit beim Versand/Verkauf. Was kann ich als Verkäufer tun, wenn ich Pakete versende oder dem Käufer seine Ware mitgebe?

2. Nachhaltigkeit in der Herstellung. Wie vermeide ich Abfall in der Herstellung und schütze die Umwelt vor chemischen Belastungen?


Nachhaltigkeit beim Verkauf:

Dies betrifft natürlich jeglichen Onlinehandel und nicht nur den Bereich der Keramik.

Durch die Coronapandemie hat der Onlineverkauf sich vervielfacht, während des lockdowns ist sogar nur Onlineverkauf möglich. Wer ein Ladengeschäft hat, kann mancherorts noch die Abholung vorbestellter Ware vereinbaren, allen Anderen bleibt nur das Verschicken mit einem der diversen Paketdienstleister.


Da ich ein wenig wie die Jungfrau zum Kinde in den Verkauf reingerutscht bin, hatte ich am Anfang nicht wirklich überblickt, was ich alles zu beachten habe.

  1. Keramik ist zerbrechlich, deshalb reicht es nicht, die Tasse oder Schale in den Karton zu legen und abzuschicken. Es braucht viel, sehr viel Füllmaterial, um die Keramik heil zu seinem Zielort zu bekommen. Luftpolsterfolie wäre hier die erste Wahl, ist aber ökologisch letzte Wahl. Weshalb ich darauf verzichte. Als Füllmaterial nehme ich stattdessen Maischips, die sind biologisch abbaubar, können sogar auf dem Kompost entsorgt werden. Statt die Keramik in Polsterfolie einzuwickeln, nehme ich recyceltes (Seiden-)Papier.

  2. Paketband, Aufkleber, gedruckte Label, Kartons, Dankeskarten etc. Es gehört noch soviel mehr zur Verpackung. Nachdem ich zu Beginn einfach wahllos Paketklebeband und Sticker (fragile!) besorgt habe, nutze ich nun ökologisches Papierklebeband, sowie sticker, die von einer zertifiziertes umweltfreundlichen Druckerei (z.B. die Umweltdruckerei) gedruckt werden. Dort drucke ich nun auch meine flyer, Postkarten und sonstigen labels. Kartons sind ebenso aus recyceltem Material. Statt sticker verwende ich Stempel. Einmal hergestellt, kann ich meine Kartons nun mit meinem Logo und Warnhinweisen bedrucken, statt Kleber herstellen zu müssen.

  3. Wiederverwenden. Manchmal bekommt ihr von mir keine frischen Kartons, sondern Altkartons. Mein Freundeskreis weiss mittlerweile Bescheid und sammelt alles an Kartons und bringt sie bei mir vorbei. So werden die guten Craftbierversandkartons (meine Lieblinge, weil sehr stabil) und sonstigen Versandkartons nicht direkt entsorgt, sondern erhalten mindestens ein zweites Versandleben.

Ganz interessant in diesem Zusammenhang ist eine Verordnung der EU, nach der Jeder, der gewerblich Ware verschickt, sich mit seiner jährlichen Verpackungsmenge (gestaffelt in Papier, Plastik, Alu, sonstiges) anmelden und zertifizieren muss. Diese Verpackungslizensierung hat den Hintergrund, dass der Mehrabfall durch in Verkehr gebrachte Verpackungen, entsorgt werden muss. In diesem dualen System kommt der Hersteller (hier Verkäufer) für die Entsorgungskosten von Verpackungsmaterial auf.


Von dieser Verordnung hörte ich letzten Sommer zum ersten Mal und habe mich direkt brav registriert. Als Fotografin wäre ich die Jahre davor streng genommen auch von der Verordnung betroffen gewesen, da ich ja regelmäßig USB-sticks oder Festplatten verschickt habe.


2. Nachhaltigkeit in der Herstellung

Das ist das weitaus schwierigere Thema. denn so schön diese vielen selbstgemachten Tassen auch aussehen, es ist nicht alles nachhaltig, was selbstgemacht ist.


  1. Ton. Ton ist ein natürliches Material, soweit so gut. Beim Drehen von Keramik fällt relativ viel Tonrest an. Diesen zu entsorgen ist natürlich möglich. Schöner und nachhaltiger ist es jedoch, seine Tonreste wieder aufzubereiten und wieder zu verwenden. Wie das geht ist ein Extraeintrag wert. Man kann also relativ einfach den Tonverbrauch auf die wirklich gedrehten Stücke einschränken.

  2. Glasuren sind chemische, teilweise giftige Chemiemischungen (in ungebrannter Pulverform). Sobald sie gebrannt sind, sind die Verbindungen eingeschlossen und unbedenklich. Dafür werden Glasurtests gemacht und jede in Umlauf gebrachte Glasur muss auf ihre Unbedenklichkeit zertifiziert werden. Glasurreste und Pulver dürfen deshalb nicht einfach in den Hausmüll entsorgt werden, sondern gehören auf die Mülldeponie zur Gefahrengutstelle. Ebenso sollten Glasurreste nicht einfach in den Ausguss gekippt werden. Ich verwende hierfür ein Tonabscheidebecken: Ein Becken mit drei Kammern, in dem sich die Glasurreste, Ton und Schlicker auf den Boden absetzen und das Restwasser gefiltert in die Kanalisation läuft. Damit verhindert man ebenso verstopfte Abwasserrohre, denn Tonschlicker bleibt gerne mal hängen.

  3. Strom. Das Brennen von Keramik verbraucht irrsinnig viel Strom. Ökostrom beruhigt das Gewissen, aber wirklich nachhaltig wäre es, weniger oder besser, gar keinen Strom zu verbrauchen. Dafür gibt es die Brandtechniken mit selbstgebauten Holzöfen aus Schamottsteinen, aber das geht tatsächlich (schade eigentlich) an der Lebensrealität der meisten Keramiker vorbei. Ich habe fest vor, irgendwann mal einen solchen Ofen zu bauen, aber für Alltagsgeschirr ist das leider nicht zu gebrauchen. Zuviel Aufwand, zuviel Unwegbarkeiten, dass spätestens, wenn man Essgeschirr herstellt, auch wieder eine Verordnung dem im Wege steht.

  4. Wasser. Beim Töpfern wird Wasser verbraucht und da der keramische Staub, sowie Glasurstaub giftig beim Einatmen sind, wird auch ständig feucht gewischt. Der Wasserverbrauch ist also nicht zu vernachlässigen. Sparsam mit Wasser umgehen, gebrauchtes Wasser wiederverwenden, wenn die Sedimente sich abgesetzt haben, und insgesamt sauberes arbeiten, sind Möglichkeiten, den Wasserverbrauch ein wenig im Zaum zu halten. Auch hier kommt das Tonabscheidebecken ins Spiel, dass aufgewischte Sedimente ablagert und das Wasser nur vorgereinigt in die Kanalisation entlässt.

Es ist also einiges zu beachten, um dieses schöne Kunsthandwerk auch einigermaßen umweltfreundlich zu betreiben. Wer sich selber mit einer Staubmaske schützt, Ton und Wasser wieder aufbereitet und bei Verpackungsmaterialien auf umweltfreundliche Alternativen setzt, hat schon einiges getan.

Falls Jemand noch Ergänzungen zu diesen Punkten hat, immer her damit. Ich freue mich, diesen Beitrag auch im nachinein noch zu ergänzen.


NACHTRAG 15.11.2021: Der Keramiker Joe Thompson aus UK hat sich in seinem blog (https://www.oldforgecreations.co.uk/blog/the-co2-cost-of-pottery) vor einigen Wochen der Frage genähert, wie groß der Co2 Abdruck einer selbst hergestellten Tasse ist. Er kam zu dem Ergebnis, dass eine Tasse 1-2 kg Co2 produziert. Was das bedeutet? Nun, auch darauf hatte er für sich keine zufriedenstellende Antwort gefunden, aber zumindest den Hinweis, dass eine selbstgetöpferte Tasse sich wohl ab 300 Benutzungen gegenüber dem Papierbecher lohnt. Auch die Frage, ob ein Massenprodukt wie eine IKEA Tasse nicht einen kleineren Co2 Abruck hat, wurde aufgeworfen (wahrscheinlich schon) - da würde mir allerdings noch das PRO-Töpertasse-Argument einfallen, dass IKEA sicherlich eine immense Überproduktion fährt und öängtst nicht jede Tasse irgendwann in einem Zuhause klandet (und wenn, dass auch nicht so lange benutzt und innig geliebt wird...).

Ich kann diesen Blogartikel (und im Übrigen auch alle anderen von Ihm, sowie seine Keramik sowieso) absolut empfehlen.



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